Seit mehr als 25 Jahren baue ich mit Shopware Software für Händler. Dabei begegnet mir immer wieder dieselbe Spannung: Ein gemeinsamer technischer Unterbau soll wirtschaftlich sein, ein Unternehmen aber etwas Eigenes daraus machen können. Die interessantesten Ideen entstehen oft genau dort, wo der Standard endet. Lange war ihre Umsetzung für viele Händler zu teuer.
Agenten verändern diese Rechnung. Sie können Kunden Einkaufsarbeit abnehmen und Händlern helfen, Software, Wissen und Abläufe selbst weiterzuentwickeln. Mich interessiert daran die neue unternehmerische Freiheit: Was wird möglich, wenn ein gutes Vorhaben seltener am Aufwand der Umsetzung scheitert? Und welche Verantwortung wächst, wenn Software selbst handeln darf?
Bei Shopware beschäftigt uns seit Jahren, wie KI, Commerce und Experience zusammenpassen. Im Januar 2025 habe ich über Agentic Commerce geschrieben, als der Begriff im Handel noch wenig geläufig war. Seitdem sind Protokolle, Produkte und Erwartungen schnell gewachsen. Mein Blick darauf ist der eines Plattformgründers, Entwicklers und Mitgestalters der Agentic Commerce Alliance. Ich vertrete eine Überzeugung: Händler sollen die Kontrolle über ihr Geschäft behalten und eigenständige Angebote schaffen können.
Dieses Buch ist zu einem guten Teil aus Code entstanden. Im Agentic Commerce Lab von Shopware und in eigenen Projekten werden aus Fragen Prototypen. Die Kästen „Aus dem Lab“ zeigen, welche Aufgabe wir untersuchen, wie der Versuch aufgebaut ist und welche Erkenntnis daraus folgt. Die Repositories stehen im Anhang. Wer widersprechen möchte, findet deshalb häufig auch einen Ansatzpunkt für einen Pull Request.
VEYNDO ist mein persönliches, öffentlich entwickeltes Experimentierfeld: Wie sähe Commerce aus, wenn Wissen und Agenten von Anfang an im Kern lägen? Dort kann ich ohne Rücksicht auf Bestandskompatibilität Ideen ausloten. Die Weiterentwicklung einer etablierten Plattform wie Shopware muss zusätzlich Migrationen, Erweiterungen und den laufenden Händlerbetrieb tragen. Beide Perspektiven bereichern die Fragen dieses Buches.
Wir beginnen mit einem Koffer, der bis Freitag ankommen muss. An diesem einfachen Auftrag wird sichtbar, wie viel zusammenpassen muss: Produktdaten, Auswahl, Preis, Zustimmung, Zahlung und Lieferung. Später kommen technische Ersatzteile und gestaltete Wohnräume hinzu. Es geht immer darum, einen Kundenauftrag besser zu erfüllen.
Der Handel bekommt vier Kontaktflächen: Menschen und Agenten kaufen im eigenen Shop und in fremden Kanälen. Unter diesen vier Feldern liegt das Geschäft des Händlers: Produkte, Preise, Aufträge und Zusagen. Diese Karte begleitet uns durch das Buch. Der Koffer aus dem Einstieg reist mit — bis zum Flughafen am Freitag.
Wie dieses Buch zu lesen ist
Die Kapitel verbinden meine strategischen Thesen mit veröffentlichten Entwicklungen, eigenen Experimenten und praktischen Entscheidungen. Die Kästen „Aus dem Lab“ zeigen Projekte des Shopware Agentic Commerce Lab; „Aus dem Experimentierfeld“ bezeichnet meine persönlichen Projekte. Sie nennen Aufgabe, Aufbau, Erkenntnis und Projektstand. So können Sie die Ideen auf Ihr Geschäft übertragen und bei Interesse im Code weiterverfolgen.
Nordstern, Werkpunkt und Lichtfeld sind fiktive Händler. An ihnen spielen wir Outdoor-Beratung, Ersatzteilbeschaffung und räumliche Gestaltung durch. Die zwei anonymisierten Praxisfälle in Kapitel 16 stammen aus meinem Händlerumfeld. Modellrechnungen nennen ihre Annahmen; Zitate und veröffentlichte Fakten verweisen auf die Quellen im Anhang. Dort finden Sie auch die Versionsstände der Protokolle.