Kapitel 044 min LesezeitAusgabe Oktober 2026

Die neue Customer Journey

Eine Reise, mehrere Hände. Der Auftrag reist mit.
Eine Reise, mehrere Hände. Der Auftrag reist mit.

Eine Reise mit neuer Arbeitsteilung

Am Anfang steht ein Anlass: eine Reise, ein defektes Bauteil, der Wunsch nach einem schöneren Raum. Der Kunde entdeckt Möglichkeiten, vergleicht, entscheidet und erlebt später, ob die Wahl richtig war. Agenten können ihn an vielen dieser Stellen unterstützen.

Die Arbeit verteilt sich dabei neu. Die Kundin beschreibt ihr Vorhaben, ein Assistent sucht, eine Beraterin erklärt einen Unterschied und der Shop führt die Bestellung aus. Die Beraterin erklärt beispielsweise, welcher von zwei Koffern auf unebenem Boden leiser rollt. Der Assistent bringt die Auswahl anschließend mit Budget und Liefertermin zusammen.

Zwei Arten von Absicht

Bei einem klaren Bedarf sind Erfolgskriterien bereits relativ genau: eine bekannte Tonerkartusche, eine festgelegte Ersatzteilnummer, dieselben Kaffeebohnen wie beim letzten Mal. Bei einer offenen Absicht ist das Ergebnis noch unscharf: ein Wohnzimmer gemütlicher machen, ein passendes Geschenk finden, die Ausstattung eines Teams verbessern.

Im ersten Fall sollte das Unternehmen unnötige Interaktion reduzieren. Im zweiten muss es helfen, Kriterien zu entwickeln. Ein Agent kann fragen, Beispiele zeigen und Zielkonflikte erklären. Eine vorschnelle Produktempfehlung löst die falsche Aufgabe, wenn der Kunde selbst noch nicht weiß, was „besser“ bedeutet.

Übergaben als Produktfunktion

Eine gute Übergabe spart dem Kunden Wiederholungsarbeit. Wer aus dem Assistenten in die persönliche Beratung wechselt, sollte seinen Wunsch und die bisherige Auswahl dort wiederfinden. Für den Service zählen Bedarf, relevante Bedingungen, offene Fragen und die nächste Entscheidung.

Manche Übergaben gehören bewusst zur Beratung: ein Kunde möchte das Material fühlen, eine schwierige Passung besprechen oder sich einen wichtigen Kauf persönlich bestätigen lassen. Der Agent bereitet das Gespräch vor und übergibt die dafür nötigen Informationen. So wird persönliche Betreuung leichter erreichbar und kann bei der eigentlichen Frage beginnen.

Abbildung 6. Kunde, Agent und Händler arbeiten entlang derselben Reise zusammen. Gute Übergaben erhalten Wunsch, Auswahl und Zustimmung.
Abbildung 6. Kunde, Agent und Händler arbeiten entlang derselben Reise zusammen. Gute Übergaben erhalten Wunsch, Auswahl und Zustimmung.

Eine andere Erfolgsmessung

Gute Beratung hilft bei der passenden Entscheidung. Manchmal führt sie direkt zum Kauf, manchmal zuerst zum Maßband oder zu einer Stoffprobe. Messen Sie, wie oft Kunden ihre Aufgabe lösen, welche Rückfragen bleiben und wie häufig eine Auswahl später korrigiert werden muss.

Die üblichen Kennzahlen bleiben nützlich, wenn sie zum jeweiligen Schritt passen: eine hilfreiche Empfehlung, ein bestätigter Warenkorb und eine Lieferung ohne Reklamation. Gemeinsam zeigen sie, ob der neue Weg für Kunden und Händler besser wird. Eine hohe Abschlussquote mit falschen Produkten wäre vor allem ein Ausbauprogramm für die Retourenabteilung.

Eine Person verantwortet den ganzen Einkaufsweg

Im Unternehmen muss jemand den ganzen Einkaufsweg betreuen und die Qualität der Übergaben im Blick behalten. Marketing kann die Produktauswahl verbessern, die Entwicklung den Checkout und der Service die Reklamation. Eine Person hält die Übergaben zwischen diesen Bereichen zusammen.

Bei einem kleinen Händler kann das die Geschäftsführerin selbst sein. Sie bespricht mit Beratung und Shop-Betreuung zehn häufige Kundenwünsche und verfolgt sie bis zur Lieferung. So fällt auf, dass der Assistent zwar das richtige Modell findet, aber die zugesagte Lieferzeit beim Wechsel in den Warenkorb verloren geht. Aus einem abstrakten KI-Projekt wird eine konkrete Aufgabe mit einer Zuständigkeit.

Geschäft, Beratung und Shop-Betrieb

Für die Arbeit braucht der Händler drei Perspektiven: Jemand entscheidet über Geld und Ziele. Jemand kennt die Produkte und die Probleme der Kunden. Jemand sorgt dafür, dass die Auswahl als richtige Bestellung im Shop ankommt. In einem kleinen Betrieb können zwei Menschen diese drei Aufgaben abdecken.

VerantwortungAufgabe beim KofferkaufSichtbares Ergebnis
Geschäftsführung und VertriebBudget und erwarteten Nutzen festlegenDer neue Zugang trägt nach seinen Kosten zum Geschäft bei.
Produktteam und BeratungAußenmaße, Rollen und Airline-Eignung klärenDie Reisende erhält eine begründete Auswahl.
Shop-Betreuung und EntwicklungPreis, Zustimmung und Bestellung verbindenDas Angebot, dem die Reisende zugestimmt hat, wird korrekt bestellt.

Service und Buchhaltung zeigen später, wo der Weg Nacharbeit erzeugt. Diese Rückmeldungen gehören in die nächste Änderung, etwa wenn eine häufige Rückfrage schon vor dem Kauf beantwortet werden kann.

Abbildung 7. Ein gemeinsamer Kundenauftrag verbindet kaufmännische Verantwortung, Produktwissen und Plattformbetrieb.
Abbildung 7. Ein gemeinsamer Kundenauftrag verbindet kaufmännische Verantwortung, Produktwissen und Plattformbetrieb.

Die Arbeit am Einkaufsweg beginnt deshalb oft mit dem Wissen der Mitarbeiter. Sie kennen die falsche Größenwahl und die Lieferzusage, die jeden Freitag zum Problem wird. Im nächsten Schritt muss dieses Wissen auch dort ankommen, wo ein Kunde seinen Assistenten nach einem Koffer fragt.