Kapitel 109 min LesezeitAusgabe Oktober 2026

Architektur und B2B im Tagesgeschäft

Auch eine kleine Rolle braucht die richtige Verbindung.
Auch eine kleine Rolle braucht die richtige Verbindung.

Der Agent erhält einen Arbeitsplatz im System

Der Einkaufsassistent muss die geeignete Variante, den Kundenpreis und den Liefertermin ermitteln können. Außerdem muss er erkennen, wer dem Kauf zustimmen oder die Beschaffung intern freigeben darf. Diese Informationen kommen aus verschiedenen Teilen des Betriebs.

Der Shop kennt Preise und Warenkorb, die Warenwirtschaft den Bestand und der Service die typischen Rückfragen. Für den Kofferkauf müssen diese Angaben im selben Vorgang zusammenkommen. Die Architektur verbindet die zuständigen Systeme, statt ihre Logik im Assistenten noch einmal nachzubauen.

Vier Quellen für einen Einkauf

Beim Koffer erklären Produktdaten Maße und Material, während das Angebot Preis und Liefertermin für die Reisende enthält. Ihre Zustimmung legt fest, was bestellt werden darf; Bestellung und Zahlung dokumentieren anschließend, was tatsächlich geschehen ist. Diese vier Quellen haben unterschiedliche Aufgaben und bleiben miteinander verbunden.

Diese Aufteilung zahlt sich aus, sobald etwas schiefgeht: Ist die Maßangabe falsch, liegt der Fehler in der Produktquelle; stimmen die Versandkosten nicht, in der Angebotsberechnung; und eine doppelte Bestellung wird im Bestellablauf untersucht. Wer weiß, welche Quelle falsch lag, sucht nicht im ganzen System.

Abbildung 18. Produkt, Angebot, Kundenrechte und Bestellung kommen für denselben Auftrag zusammen. Verschiedene Zugänge nutzen diese gemeinsame Grundlage.
Abbildung 18. Produkt, Angebot, Kundenrechte und Bestellung kommen für denselben Auftrag zusammen. Verschiedene Zugänge nutzen diese gemeinsame Grundlage.

Den begonnenen Auftrag wiederfinden

Ein Kundenauftrag braucht einen wiederauffindbaren Stand mit Wunsch, Bedingungen, ausgewähltem Angebot, Zustimmung und dem Ergebnis der letzten Handlung. Während das Gespräch den Zusammenhang erklärt, hält der gespeicherte Vorgang die verbindlichen Angaben für die Weiterarbeit bereit.

So kann die Reisende am nächsten Tag nach ihrer Lieferung fragen, ohne den Einkauf erneut zu erklären. Der Service sieht die Bestellung und die relevante Zusage. Persönliche Präferenzen bleiben dort, wo sie gebraucht werden und wo die Reisende sie verwalten kann. Für Zugriff und Aufbewahrung legt das Unternehmen passende Regeln fest.

Nach einer Unterbrechung weiterarbeiten

Eine Verbindung bricht ab, während eine Bestellung verarbeitet wird. Für die Reisende zählt jetzt eine verständliche Antwort. Das System sucht den begonnenen Vorgang, prüft, ob die Bestellung vorliegt, und führt den Einkauf von dort weiter.

Bei einem mehrteiligen Auftrag kann es auch nötig sein, eine Reservierung freizugeben oder eine Zahlung zurückzunehmen. Entscheidend ist, dass der Händler den Zusammenhang zwischen den Schritten wiederfindet. Dafür braucht er klare Referenzen und einen vereinbarten Weg zur Korrektur.

Ein Kern, mehrere Zugänge

Protokolle dienen möglichst als Zugänge zu denselben Funktionen im Commerce-Kern, damit Kundenagent, interner Copilot und herkömmliches Frontend nach denselben Regeln arbeiten. Neue Fähigkeiten lassen sich dann an einer Stelle prüfen und für mehrere Wege nutzen.

Der Kofferhändler verfolgt dafür einen Auftrag bis zur gespeicherten Bestellung und fragt sie anschließend erneut ab. Unterbricht er die Verbindung, muss derselbe Auftrag von dort weiterlaufen. Dieser Versuch zeigt, ob die Teile auch über den einzelnen Aufruf hinaus zusammenarbeiten.

Der Sales Agent Harness als kontrollierte Verbindung

Beim Wechsel der Oberfläche müssen Preise und Bestellungen weitergelten. Der Sales Agent Harness legt eine vom Händler kontrollierte Schicht zwischen Modell und Shop und beschreibt Fähigkeiten für Suche, Warenkorb und Checkout-Übergabe. [S106]

Neue Zugänge mit denselben Geschäftsregeln

Eigene Entwicklung lohnt sich dort, wo Fachwissen oder Geschäftsmodell den Unterschied machen; für wiederkehrende Anbindungen kann ein gepflegter Standardadapter wirtschaftlicher sein. In beiden Fällen braucht das Team ein Verständnis dafür, wie Produkte, Preise und Bestellungen zusammenwirken.

Beim Ersatzteilhändler beginnt die Planung mit einem typischen Einkauf und der Stelle, an der Kunden heute warten oder eine falsche Auswahl korrigieren müssen. Eine Verbesserung dort gibt der Architektur ein konkretes Ziel und macht deutlich, welche Systeme beteiligt sein müssen.

B2B: aus Fachwissen wird ein Angebot

Die Architektur lässt sich besonders gut an einer Ersatzteilbeschaffung erklären. Ein Instandhalter bestellt nicht irgendeine Dichtung: Er benötigt die freigegebene Variante für eine bestimmte Maschinenrevision, zum vereinbarten Preis und vor Beginn der nächsten Schicht. Der Kundenwunsch verbindet die vier Datenbereiche des Shops mit den Regeln des Einkaufs.

Ein Agent kann diese Informationen zusammentragen, Rückfragen vorbereiten und ein Angebot anfordern. Beim Händler müssen Kompatibilität, Kundenkonto und Lieferzusage berechnet werden. So wird aus der Architektur des vorigen Abschnitts ein Arbeitsweg, den Einkauf und Vertrieb täglich benutzen können.

Der Einkauf ist eine Beziehung

Ein günstiger Einzelauftrag kann langfristig teuer sein. Ein Lieferant gewährt vielleicht schnelle Hilfe bei Störungen, hält Ersatzteile bereit oder akzeptiert flexible Zahlung. Wenn ein Agent nur den aktuellen Preis optimiert, kann er diese Beziehungswerte zerstören, ohne sie überhaupt zu erfassen.

Definieren Sie daher das Ziel des Einkaufs. Es kann Gesamtbetriebskosten, Ausfallrisiko, Qualität, Lieferantenkonzentration und strategische Lieferantenbeziehungen umfassen. Nicht jede Größe muss in einen einzigen Score gepresst werden. Harte Bedingungen und nachvollziehbare Zielkonflikte sind oft ehrlicher als scheinbar exakte Punkte.

Werkpunkt (fiktiv): Die Ersatzteilbeschaffung

Bei Werkpunkt sucht ein Instandhalter ein Ersatzteil für eine Maschine. Im Raum stehen eine Artikelnummer, eine Maschinenrevision und ein dringender Liefertermin. Für sein Unternehmen gelten eigene Preise, eine Kostenstelle und eine Grenze für Bestellungen ohne zusätzliche Freigabe.

Der Agent führt diese Angaben zusammen und fragt nach der bestätigten Passung. Der Händler berechnet die Konditionen für das richtige Kundenkonto. Gibt es mehrere passende Angebote, kann der Einkauf Lieferzeit, Menge und Preis vergleichen. Das Ziel ist, die Maschine rechtzeitig wieder in Betrieb zu nehmen.

Vor der Bestellung sieht die zuständige Person die konkrete Aufteilung und den Gesamtbetrag. Ein ungewöhnlicher Ersatzvorschlag geht an die Fachberatung. Eine Expresslieferung, die das Budget überschreitet, wird zur Entscheidung vorgelegt. Vertraute Nachbestellungen können später einen größeren vorab vereinbarten Spielraum erhalten.

Der Test beginnt mit einem Nutzer, der nur lesen darf, und ergänzt danach einen Einkauf mit Betragsgrenze. Außerdem spielt das Team durch, wie Bestellung, Lieferung und Rechnung nach einer Unterbrechung zusammenfinden. So erkennt der Einkauf seine eigenen Regeln im tatsächlichen Ablauf wieder.

Werkpunkt bewertet den Nutzen an weniger Bearbeitungszeit, passenden Teilen und eingehaltenen Terminen. Auch das Stillstandsrisiko gehört in die Betrachtung. Ein etwas teureres Teil kann die bessere Wahl sein, wenn es rechtzeitig und mit bestätigter Passung ankommt.

Von der Anfrage zum passenden Angebot

Eine B2B-Anfrage sollte Organisation, rechtliche Einheit, Kostenstelle, Standort, gewünschte Leistung, Menge und Zeitraum tragen. Kundenspezifische Konditionen dürfen erst im passenden Berechtigungskontext offengelegt werden. Das öffentliche Angebot und der vertrauliche Vertragspreis sind unterschiedliche Informationsräume.

Bei Ersatzteilen kann schon eine kleine Abweichung das Produkt unbrauchbar oder sicherheitsrelevant machen. Agenten benötigen deshalb bestätigte Zuordnungen und müssen unsichere Alternativen kenntlich machen; eine erforderliche technische Zulassung oder fachliche Prüfung bleibt Bestandteil des Prozesses.

Abbildung 19. Von der Ersatzteilanfrage bis zur Lieferung: Passung, Konditionen und Freigabe führen zu einer ausführbaren Beschaffung.
Abbildung 19. Von der Ersatzteilanfrage bis zur Lieferung: Passung, Konditionen und Freigabe führen zu einer ausführbaren Beschaffung.

Verhandlung braucht Grenzen

Ein Händleragent kann Liefertermine, Mengen oder Rabatte innerhalb erlaubter Bereiche anbieten. Dazu benötigt er feste Grenzen und nachvollziehbare Angebote. Eine höfliche Zusage in einer E-Mail darf keinen Rabatt erzeugen, den das Bestellsystem nicht akzeptiert.

Bewerten Sie außerdem, wie viele Verhandlungsrunden wirtschaftlich sinnvoll sind. Eine automatische Anfrage ist auf Käuferseite billig, auf Verkäuferseite aber nicht kostenlos. Begrenzen Sie Laufzeit, Nachfragen und Ressourcen. Sonst optimieren zwei Agenten eine Ersparnis von 40 Cent und beschäftigen dabei einen bemerkenswert teuren digitalen Debattierclub.

Merchant Quote Agent: Verhandlung innerhalb einer Grenze

Verhandeln wird nützlich, wenn eine Strategie innerhalb verlässlicher Grenzen arbeitet. Beim Merchant Quote Agent stehen Gespräch und gespeichertes Angebot nebeneinander. Die beziehungsorientierte Verhandlungsstrategie „Relationship builder“ kann den Ton verändern; der Rabattkorridor bleibt eine Regel im System. [S100]

Verhandlungsregeln des Merchant Quote Agent mit einer Rabattgrenze von fünf Prozent. Quelle: Shopware Agentic Commerce Lab. [S100]
Verhandlungsregeln des Merchant Quote Agent mit einer Rabattgrenze von fünf Prozent. Quelle: Shopware Agentic Commerce Lab. [S100]
Gegenangebot und Bestellung in der Demo-Historie des Merchant Quote Agent. Quelle: Shopware Agentic Commerce Lab. [S100]
Gegenangebot und Bestellung in der Demo-Historie des Merchant Quote Agent. Quelle: Shopware Agentic Commerce Lab. [S100]

rfq-bench: Verhandlung messbar machen

Eine charmante Antwort und ein gutes Geschäft sind verschiedene Dinge. Mit rfq-bench untersuchen wir, welche Strategie unter denselben Bedingungen einen besseren wirtschaftlichen Ausgang erreicht. [S99]

Beschaffung als überprüfbarer Plan

Bei mehreren Lieferanten kann ein Optimierer die beste zulässige Kombination innerhalb bekannter Angebote berechnen, während Sprachmodelle Informationen einholen und Bedingungen erläutern. Der Rechenschritt muss seine Eingaben und Grenzen zeigen, denn das Ergebnis hängt von den vollständig erfassten Bedingungen ab.

Vor der Ausführung prüft der Einkauf erneut Angebote, Mengen und Termine und erteilt eine interne Freigabe für die gesamte Aufteilung. Bestellung, Rechnung, Lieferung und Wareneingang bleiben anschließend denselben Vorgängen zugeordnet, damit sich der Plan bis zur tatsächlichen Leistung verfolgen lässt.

Einstieg. Wählen Sie eine wiederkehrende Beschaffung mit klaren Spezifikationen und überschaubaren Lieferanten. Beginnen Sie mit einer vorbereiteten Entscheidung, deren Annahmen sichtbar sind. Erweitern Sie das Mandat zur Ausführung erst, wenn dieser Weg zuverlässig und wirtschaftlich funktioniert.

Procurement Swarm: vom Bedarf zu zwei Bestellungen

Im September 2026 verband mein Procurement-Swarm-Versuch drei lokale Shopware-Lieferantenshops, Agenten, UCP und E-Mail-Verhandlung. Ein Optimierer berechnete die zulässige Aufteilung. Der berichtete Lauf führte nach interner Freigabe durch einen Menschen zu zwei Testbestellungen. [S23]

Auf dieser Grundlage kann ein Agent auch im Händlerbetrieb arbeiten. Der nächste Schritt ist ein Operator, der wiederkehrende Aufgaben und schließlich Ziele übernimmt.